Übersicht, Leben und Lifestyle

Tiefer Fall für die schnelle Lieferung 

Ein Kommentar

 

Das Thema „fast fashion“ ist eine andere Story wert. Und doch erinnert es irgendwie an die Zahlen, die in den letzten Tagen vom Berliner Online-Modehändler Zalando bekannt wurden. Die Verlust-Kurve purzelte, und zwar mehr als „fast“. Im dritten Quartal 2018 machte der bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen 38,9 Millionen Euro aus. Damit haben sich die Einbußen gegenüber zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Die Aktionäre rutschten bereits im Sommer unruhig auf ihren Sesseln, jetzt vermutlich noch mehr.

Den Konsumenten dürfte dies allerdings (noch) egal sein. Hauptsache die Ware kommt rasch nach Hause. Dass in Italien mittlerweile Versandkosten eingeführt wurden, stört die restliche Stammkundschaft vermutlich wenig. Denn das Zalando-Versprechen: „Versand und Retoure kostenlos“ sollte bleiben. Schließlich hat sich die Käuferschar daran gewöhnt, ohne Klick-und-Kreditkarten-Ängste dem sonnabendlichen Shopping-Ritual zu frönen. Dann wird schnell – also „fast“ – ein Kleidungsstück geordert; weil, wer möchte schon überfüllte Läden und Wühltische aufsuchen? Nein, da kauft man lieber gemütlich von der Couch aus sein überlebensnotwendiges, neues Trendteil. Es kostet ja nichts, außer den Verkaufspreis selbstverständlich. Und auch die sind gegenüber den herkömmlichen Ladenpreisen meist günstiger. Schlussverkauf und Aktionen machen es möglich!

Was aber macht man, wenn der Mausklick doch zu schnell erfolgte? In solch einem Fall kann man das gelieferte Paket ebenso hurtig wieder ins nächste Postfach stecken und retournieren. Zalando nahm es bisher „dankbar“ wieder entgegen. Hat sich da eventuell etwas verändert? Neben dem schlecht in den Griff zu bekommenden Retourenmanagement sei die immer kostenintensivere Logistik-Infrastruktur eine der größten Geld-Vertilger, heißt es aus der Zalando-Zentrale.

Die Tiefflieger-Zahlen, das steht Schwarz auf Weiß – besser gesagt in roten Zahlen – auf Papier, dürften dies wohl bestätigen. Möge man nur hoffen, dass „fast fashion“ und „fast delivery“ nicht auch unsere Umwelt schneller als gedacht in den Sturzflug befördern. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

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Übersicht, Beruf und Berufung, Leben und Lifestyle

Sebastian Fitzek: „Die Ausnahme ist die Regel“

Mit einem Bestseller kommt auch die Kritik – in Form von Rezensionen, Buchbesprechungen, Amazon-Bewertungen, Blogger-Kommentaren. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 plauderte Erfolgsautor Sebastian Fitzek in einem Kurzvortrag über den Umgang mit derselben, seinen Weg vom Jungautor zum Verlagsvertrag und wie auch die Ausnahme erfolgreich werden kann.

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Foto: Gene Glover

Sebastian Fitzek veröffentlichte 2006 sein erstes Buch „Die Therapie“. Mit einer Auflage von 4000 Stück, aufgeteilt auf damals 5500 Buchhandlungen in Deutschland, war die Chance „auf einen Bestseller quasi unmöglich – zumindest rein rechnerisch gesehen“. Warum? Fitzek dazu weiter: „Um bekannt zu werden, braucht man ein fettes Marketingbudget und eine hohe Auflage, aber nur wenn man bekannt ist, bekommt man beides vom Verlag.“ Da beißt sich die Katze wohl in den Schwanz. Wie hat er es doch geschafft? „Etwas unüblich, aber der Verlag schloss zusammen mit dem ersten Vertrag gleich einen weiteren für ein zweites Buch ab.“ Ins Rollen brachte dies alles sein Literaturagent Roman Hocke – einst Lektor von Michael Ende. Er empfahl den Psychothriller-schreibenden-Journalisten 2002 bei Droemer Knaur. Heute steht er bei Buchveröffentlichung Nummer Achtzehn, schrieb unter einem Pseudonym für Bastei Lübbe, gestaltete ein Kinderbuch und kann aktuell mit je drei Verfilmungen und Dramatisierungen seine Biografie ergänzen.

Schnell erzählt erscheint der Weg einfach. Doch die nüchterne Wahrheit lautet: „Meine erste Fassung schickte ich an fünfzehn Verlage, dreizehn lehnten ab, zwei haben sich bis heute nicht gemeldet“, fasst Fitzek mit Humor zusammen, verweist gleichzeitig aber auch auf die Rolle des Lektors: „Keiner wurde abgestraft, dass er Harry Potter ablehnte, aber umgekehrt, wenn bei einem Newcomer die Großauflage von 200.000 Stück gedruckt werden soll, Vorschuss inklusive, und diese dann floppt, ja – dieser Name wird in der Verlagsbranche weitergereicht“, merkt der Autor an.

Jungautoren müssen also mit Absagen rechnen. Vielmehr sind sie die Regel, auf die auch Größen wie Joanne K. Rowling und Steven King zurückblicken können. „Da muss man durch, einen langen Atem besitzen“, motiviert der gebürtige Berliner weiter. „Ganz klar, man schreibt, um gelesen zu werden. Und dieses Ziel teilt man sich mit vielen anderen“, so Fitzek. Mit ein Grund, dass Verlage regelrecht überrannt werden mit Manuskripten. Berge von Papier türmen sich und Tag für Tag häufen sich weitere auf den Schreibtischen an.

Und welche Geschichten schaffen es schlussendlich in die Regale?

„Als Jungautor hat man mit Gegenwind zu kämpfen, wenn man nicht in eine gängige Genre-Schublade fällt.“ Trends am Buchmarkt – sie zu brechen ist also Knochenarbeit. „Mir wurde damals gesagt, es gäbe keinen Markt für Psychothriller. Dafür waren historische Romane gefragt, allerdings nur, wenn sie von einer Frau verfasst wurden. Als Sabrina Fitzek wäre ich allerdings weder gut noch glücklich geworden“, fasst der Autor lachend zusammen.

Die Versuchung ist gewiss groß, sich an Lesermeinungen zu orientieren, auf den Markt zu schielen oder Titeltrends zu verfolgen. Doch Schreiben sollte immer Ausdruck der Persönlichkeit sein, abseits von Bewertungsportalen und Instagram-Likes, in denen heute jeder zu einer PR-Oberfläche wird. Die Dichtheit an Nachrichtenmeldungen und Inszenierungen veranlassen uns zu glauben, dass die Ausnahme bereits die Regel ist. Das betrifft auch Buchkritiken. Fitzek dazu: „Ich brauchte lange, bis ich begriff, welche Kommentare förderlich und welche ich besser ignorieren sollte. Daher stelle ich mir immer die Frage: Ist die Kritik wohlwollend oder nicht? Ist es jemand, der mich kritisiert, weil er will, dass ich besser werde oder geht es um polarisierende Rezensionen.“

Und gibt es so etwas wie ein Geheimnis für einen anhaltenden Schreiberfolg?

„Da ich bei meinem zweiten Buch nicht wusste für wen ich schreibe, ich kannte ja meine Leserschaft noch nicht, unterscheidet es sich völlig vom ersten. Aber viel wichtiger ist, dass ich ausschließlich meiner Idee treu blieb, auch niemandem gefallen wollte und authentisch blieb. Das handhabe ich heute noch so“, verrät Fitzek sein Geheimnis. Und es klappt, wie wir sehen.

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Übersicht, Interior Design, Leben und Lifestyle

Vogelperspektive

Urbanes Wohnen mit Licht, Lage und Luxus. Im innerstädtischen Gebiet vereinen dies unter anderem Dachgeschoss-Wohnungen. Ein kostspieliges Vorhaben sind sich die Experten einig, trotzdem ist die Nachfrage konstant!

Durch die Wiener Innenstadt spazieren, den Blick nach oben schweifen lassen und dabei das rege Stadtleben spüren – ein Moment, in dem man sich vielleicht genau an diesem Platz eine 360-Grad-Aussicht vom Stephansdom bis zum Kahlenberg wünscht. Wer heute Wohnraum mit Fernsicht sucht, findet Angebote auf allen Raum-Ebenen, denn städtebaulich gesehen wächst die Stadt in die Breite und kontinuierlich auch in die Höhe. Zwar dezent und den Bauvorschriften gemäß, dafür aber individuell und zunehmend luxuriöser. Einheitslösungen findet man im Dachgeschoss nicht. Dafür sind die vorherrschenden Gegebenheiten jeweils zu unterschiedlich. Bauherren müssen aus diesem Grund tiefer in die Tasche greifen, besonders wer ein luxuriöses Gesamtpaket haben möchte.

Mehrwert bieten

Ein Dachgeschoss-Domizil ist keine preisgünstige Anlagewohnung. Ganz im Gegenteil, sechs- bis siebenstellige Beträge werden hier gegen ein besonderes Raumgefühl getauscht. Und dafür müssen die Mehrwerte absolut passen, oder konkreter gesagt: „Das Dachgeschoss ist nach wie vor die beliebteste Etage des Hauses“, weiß Michael Ehlmaier, Chef von EHL Immobilien. Doch nicht ausnahmslos: „Anders als vor Jahren sind Dachgeschoss-Wohnungen heute nicht unbedingt die ersten, die verkauft werden“, analysiert Florian Polak, Geschäftsführer der Vermehrt AG, den Premiummarkt. Die Vorstellungen wachsen entgegen der Angebote. So werden starke Schrägen, observierende Einblicke und zu kleine Räume abgestraft. Im Gegenzug sind sich beide Experten einig, dass Höchstpreise nur erzielt werden können, wenn die Wände gerade, die Lage premium, der Grundriss passend und die Freiflächen großzügig sind.

Wie das Gesamtpaket „Dachgeschoss-Traum“ im konkreten gewünscht wird, erklärt Markus Kaplan, Partner bei BWM Architekten, noch ausführlicher: „Kunden suchen den Luxus eines Neubaus, eingebettet in historische Bausubstanz und das alles zentral.“ Das seien vor allem schöne historische Viertel, trotzdem modern, mit Infrastruktur und einer gewachsenen Nachbarschaft.


Hier geht’s zum vollständigen Artikel, erschienen im assets Magazin, Juni 2018.

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fuerteventura
Übersicht, Leben und Lifestyle

Küche der Kanaren

Fuerteventura schmeckt

nach Meer und Weide


Die zweitgrößte Kanareninsel Fuerteventura hat viele Gesichter. Das erodierte Vulkanland – bekannt für weite Strände, Wind und Wellenreiter – tischt auch kulinarisch Interessantes auf. Ein Querschnitt durch die Inselküche.

Donnerstag kurz nach drei Uhr – um diese Zeit ist wenig los im kleinen Städtchen Lajares. Vor einer Bäckerei sitzt ein junges Pärchen und schlürft genüsslich eine Tasse Café mit aufgeschäumter Sojamilch. Die Frau sonnt sich und blinzelt mit zusammengekniffenen Augen zu ihrem Freund. Salzig-lockige Strähnen durchziehen ihr halbtrockenes Haar. Vom Nachbartisch schallt lautes Lachen auf die gegenüberliegende Straßenseite. Vier Jungs trinken dort kühle Limonaden und kauen genüsslichen an ihren frisch belegten Sandwiches. Die Stimmung ist entspannt und zufrieden.

Der Norden

Lajares liegt im Norden der Insel Fuerteventura, in der Mitte zwischen El Cotillo und der zweitgrößten Stadt Corralejo. Viele der knapp 1500 Einwohner sind Surfer, die das ganze Jahr über hier leben. Ideal, wenn man schnell zu den Küsten mit guten Wellen kommen möchte, denn dafür ist die Gegend bekannt und beliebt: für Wind, fürs Surfen und weitläufige Strände. Ein Naturparadies, ein Urlaubsparadies, aber ein kulinarische Paradies? Davon liest man wenig, noch seltener wird es in einem Atemzug mit dem Eiland genannt.

Interessiert frage ich eine Ladenbesitzerin, wo es die besten Lokale in der Stadt gibt. Die gebürtige Deutsche wanderte vor zehn Jahren hierher aus. „Knusprig-frisches Gebäck und Kuchen holt man sich in der La Paneteca. Ein Genuss, auch fürs Auge, denn moderne Hängeleuchten und Möbel im Industrial-Shappy-Chic wirken ansprechend und urban. Abends wird es im Ort voller, dann kommen viele vom Strand zurück und stärken sich etwa im Mana Café mit Mojitos und Tapas.“

fuerteventura strandbar

Eines stelle ich gleich fest, wer nicht extra nach diesen Plätzen sucht, wird sie kaum finden. Die Insel ist weitläufig und voller Überraschungen. Und gerade das weckt meinen kulinarischen Entdeckergeist noch mehr.


Den gesamten Reisebericht können Sie hier >> im profil/GUSTO spezial nachlesen.

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Kunst, künstlich und künsteln

„Zeigen Sie sich!“
„Was meinen Sie?“
„Ja sich, zeigen Sie sich!“
„Das verstehe ich nicht.“
„Ihre Persönlichkeit, bleiben Sie authentisch.“
„Aha. Das habe ich noch nie probiert.“

Täglich betreten wir die Welt – Sie und ich – und betrachten sie durch unsere Brille. Wir haben gelernt, wir haben erfahren und wir ziehen daraus Schlüsse. Mitunter heißt das, dass wir uns tagaus, tagein vorwärts bewegen, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Wir arbeiten in einem Job, der von uns ein freundliches, zuvorkommendes, höfliches, seriöses Auftreten verlangt. Treffen uns mit Freunden, denen wir aufmerksam zuhören – und dabei geht es meistens um die großen und kleinen Beziehungsprobleme, Familiensorgen oder Missstimmungen. Ein- bis zweimal im Jahr fahren wir auf Urlaub, buchen aber nicht das Hotel unserer Wünsche, sondern richten uns nach den Vorschlägen der Reisegruppe.

Irgendwie wirkt alles künstlich, riecht nach Plastik und Oberflächlichkeiten. Äußerlich scheint alles wudervoll perfekt zu sein, doch im Innersten fühlen wir uns schlecht. Warum? Weil das meiste zum Schein passiert. Social Media sei Dank!

„Agieren ist besser als reagieren.“

Wir träumen von einer erfüllenden Freizeit, Erfolg und mehr Glück, lassen uns aber rein aus Bequemlichkeit von Gewohnheiten und den Erwartungen anderer leiten.

„Es ist doch gut wie es ist.“ Ein viel zitierter Rat-Schlag, aber wohin bringt er Sie? Genau – dorthin, wo Sie jetzt sind! „Ein Hobby hilft.“ Gut gemeint, aber welches passt?

Aus einer ersten Unzufriedenheit heraus wächst der Wunsch etwas zu verändern, und das Angebot ist enorm. Daher kommen wir an diesem Punkt angekommen, um grundlegende Fragen nicht umher: Wer bin ich? Was brauche ich? Was will ich wirklich?

Ohne dieses Fundament würden Sie nicht vom Fleck kommen. Daher ein Tipp aus Coaching-Kreisen: Gehen Sie aus eigenem Wunsch und Antrieb vorwärts. Lernen Sie sich kennen, just bevor Sie von äußeren Umständen ohnehin gezwungen werden.

Neue Wege

Die Kunst besteht also darin aus dem Hamsterrad auszubrechen, um überhaupt erst neue Wege beschreiten zu können. Und da wir uns am nächsten stehen, hilft die eigene Intuition bei wichtigen Entscheidungen. Das liegt daran, dass wir im Innersten genau fühlen, was stimmig ist.

Das erfreulich, es braucht keine teure Anschaffung und keine neue Umschulung, Sie haben bereits alles. Schritt 1: Nehmen Sie Regungen und Gefühle bei ganz einfachen und alltäglichen Dinge wahr: Wie fühlt sich gesundes Essen an? Was macht ein Spaziergang in der Natur oder ein Ausflug an den See mit Ihnen? Wie fühlen Sie sich nach einem Telefonat mit einer Freundin/einem Freund?

Im nächsten Schritt kann es helfen, aktiv Online-Archive, Facebook-Listen und Ablagen zu durchforsten, um alles zu löschen, was unnötig ist. Warum? Wir sammeln viel an, nutzen aber mehr als die Hälfte nicht. Gesagt, getan – und plötzlich fühlen wir uns freier.

Mit der neu gewonnenen Erleichterung geht es gleich weiter an den Kleiderschrank und die Schubladen. Ausmisten hat im übertragenen Sinn immer etwas mit Loslassen zu tun, also eine „Bereinigung von Altlasten“.

„Wir denken immer, wir benötigen viel. Am Ende bleibt ein Bruchteil davon übrig.“

Es ist eine große Kunst und benötigt Mut, selbstreflektiert und authentisch zu handeln. In einer konsum- und egogetriebenen Welt stößt das nicht nur einmal auf Un- und Missverständnisse.

In machen Bereichen werden Sie rasch Erfolge erzielen, anderswo wird es länger dauern – alles ist möglich. Alleine aber die Ausrichtung, dass Sie endlich Ihre und keine fremden Wege beschreiten, macht Sie selbstbewusster, stärker und sicherer und bringt vor allem mehr Klarheit. Die wiederum zieht neue Möglichkeiten an (Resonanz). Klingt spannend. Auf jeden Fall merken Sie, wie Sie achtsamer und Ihre Antennen feiner werden, um „künstlich“ und „gekünstelt“ zu durchblicken.

Meine Erfahrung ist, nicht alles verändert sich sofort. Es braucht seine Zeit, Kraft, Ausdauer UND es darf und sollte vor allem auch Spaß machen, demnach…be happy, mit einer „lachenden Wurschtigkeit“* geht es einfacher. 🙂

*Martin Knapp. Radionics.

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Der Dandy

Oscar Wilde machte es vor

 

Seine Statur ist grazil und hochgewachsen. Feminine und doch markante männliche Gesichtszüge werden von braungoldenem Lockenhaar umrahmt. Der klare Blick ist kühn und überlegen. Zartgliedrige Finger legen sich in seine Taille und umschließen seinen violett-braunen maßgeschneiderten Gehrock mit breitem Revers. Der edelste Satinschal ist um seinen Hals gebunden. Ausgezeichneter Geschmack, perfekte Manieren, immer für ironisch-frivole Konversationen bereit und betont distanziert – der Dandy!

Dandy

Pose, Styling und Komposition erinnern an ein historisches Porträt eines wohlhabenden Bürgers. Dieses inszenierte Foto aus einem französischen Modemagazin funktioniert, sehnt sich der Betrachter beim Anblick des Motivs vielleicht nach Romantik aus vergangenen Zeiten. Vornehm, jung, unnahbar – das Model gleicht mit Kleidung und Habitus seinen historischen Vorbildern wie George Bryan Brummell oder Oscar Wilde. Was aber passiert mit dem Dandy 2.0, wenn Magazine, Modefirmen und Feuilletons den Begriff derart ausreizen und jeden vornehm, leicht konservativ und ausdrucksstark-überhöht blickenden Mann als solchen beschreiben? Folgen wir dem Dandy – ein Essay-Kommentar zum Thema.

Dandy, who?

Ist er eine überholte Beschreibung verträumter Geschichtenerzähler oder tatsächlich noch zeitgemäß? Wie passt er heute in unser Gesellschaftsbild und gelten die alten Regeln noch? Wie sieht die Forderung Baudelaires, der Dandy müsse sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterbrechung erhaben zu sein, heute aus? „Er müsse leben und schlafen vor einem Spiegel“1, so seine Anmerkung.

Uns stellt sich hier eine Geistes- und Lebenseinstellung dar, in der Selbstkult zur Spitze getrieben wird: der Dandy als Solitär in einer exklusiven Gesellschaft! Er ist eine Spielernatur und frönt dem Müßiggang. Einer täglichen Brotarbeit würde er nie nachgehen. Von ihm sind unterschiedlichste Facetten und Mischformen bekannt, auch bedingt von politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Häufig aber aus gutem Hause kommend, findet der Dandy nur in diesem Umfeld Zuspruch. Hier reflektieren auch seine GesellschaftspartnerInnen den Kodex aus Werten, Regeln und Formen, denn sie alle sind „Eingeweihte“, die sich auf dieser „Bühne“ selbsterklärend verstehen.

Als Individuum ist er materiell und geistig unabhängig. In seinem Umfeld ist er Provokateur, greift aber niemals dieses direkt an. Raffiniert übt er sich in Selbstkontrolle, immer bedacht darauf seine kühle und unnahbare Aura zu wahren. Jede Szenerie beherrscht er durch sein latent konservatives Erscheinungsbild, provoziert aber gleichzeitig durch das Verweigern von Zeitmoden. Das ausgewählte Einfache unterstreicht seine Schönheit. Er leistet sich diese Regelbrüche und gefällt trotzdem. Ohne jedoch die Rückbindung an verpflichtende Konventionen der „besseren Gesellschaft“ würden seine Verstöße, sein überhöhter Geschmack und Stil und seine ethischen und spirituellen Eigenschaften missverstanden, vermutlich übersehen werden und ins Leere verpuffen.

Mit Oscar Wilde setzte sich ein Prozess in Gang, der als das „öffentliche“ Dandytum bezeichnet werden kann. Pointierte Eleganz und Exklusivität stehen forciertem Pomp, Regellosigkeit und penetrantem Zur-Schau-Stellen gegenüber. Baudelaire beschreibte diesen Dandyismus als „das letzte sich Aufbäumen in Zeiten des Verfalls“ 2.

Der Dandy 2.0

Dandy-Chic, Rock-Dandy, Dandy-Look, Dandys im Großstadtdschungel, Dandy Diary oder Neo-Narziss sind heute gebräuchliche Schlagworte und in vielen Gazetten zu finden. TV-Moderatoren, Sternchen, Modeschöpfer und Popstars – sie alle greifen hin und wieder einmal in die Stilkiste der Dandy-Attribute. Jedoch, Originalität, Exklusivität oder gar intellektuellen schöpferischen Ideenreichtum findet man unter ihnen selten. Es geht rein um den Schein. Einzelne dandyhafte Züge können durchaus hilfreich sein, um in der Riege der Geschmacksidole kurzfristig bestehen zu bleiben. Dem Dandy um 1900 würde diese inflationäre Show jedoch fremd sein, war doch sein Bestreben Einzigartigkeit und Eleganz zu kultivieren. Die Schönheit war sein Beruf, unterstrichen von einer stoischen Ruhe, die geistige und materielle Unabhängigkeit demonstrierte.

Der Konsum- und Gesellschaftswandel hatte schlichtweg zur Folge, dass sich der Dandy aus seiner Urform heraus mitentwickeln musste, und, wie S. Sontag schreibt, heute vielen die Chance bietet, auf raffinierte Weise Stil und Geschmack zu kultivieren3. Grob gesprochen aber wich der Anspruch auf Authentizität der reinen Imageclownerie.

Designer, Künstler, Literaten, Manager, Politiker – einer unter ihnen bekommt heute mit Sicherheit den Dandy-Status medial auferlegt. Der vorherrschende Gesellschaftstenor gönnt aber keine Ruhe, so mutiert der Dandy des 21. Jahrhunderts zum von Erfolgsdruck geplagten Arbeitstier. Der propagierte Mode-Kult bleibt an der Oberfläche und ist nichts anderes als ein Effekt. Menschen „vermarkten“ sich, und wo der Schein dominiert, fehlen tiefgreifende Distinktionen. Was hier stattfindet ist ein Selbstbedienungsladen von Dandy-Attitüden: Als Vorbild des Selbstkults wird der Dandy zum Abziehbild in einer vom äußeren Schein diktierten Medienwelt.

Und wie könnte ein neuer, avantgardistischer Dandy aussehen? Günter Erbe schreibt dazu sehr treffend: „Heute sollte man sich fragen, ob es nicht die erste Pflicht ist, auf jede Pose erstmal zu verzichten.“4

Chapeau, wer es schafft!

1 Charles Baudelaire, Mein entblößtes Herz, in: Sämtliche Werke/Briefe. Bd. 6, hrsg. v. Friedhelm Kemp und Claude Pichois, München 1991, S. 224.
2 Charles Baudelaire, Der Dandy, in: Sämtliche Werke/Briefe. Bd. 5, hrsg. v. Friedhelm Kemp und Claude Pichois, S. 244.
3 Susan Sontag, Anmerkungen zu "Camp", in: dies., Kunst und Antikunst. 24 literarische Analysen, Reinbek 1968, S. 282.
4 Günter Erbe, Der moderne Dandy, 2004. http://www.bpb.de/apuz/27987/der-moderne-dandy?p=all#footnodeid_2-2 (06. 11. 2016)
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Knize trifft Loos

Designtraditionen in Wien

 

Messen, skizzieren, mit Lineal zeichnen, abzeichnen, umzeichnen und noch einmal messen. Pläne erstellen und fertigen, fertigen, fertigen. Erneut nachmessen, korrigieren und wieder fertigen, fertigen, fertigen. Millimetergenaues Arbeiten, betrachten und wieder … fertigen, fertigen, fertigen.

Es scheint, als handle es sich um den Arbeitsprozess eines Architekten, und doch möchte ich hier von einem Schneider erzählen, der sein Handwerk mit Bedacht und voller Hingabe lebt. Die Rede ist von Herrn Rudolf Niedersüß, Herrenschneidermeister in dritter Generation. Sein Auftreten ist zurückhaltend und überlegt. Er führt den Herrenausstatter Knize, ehemaliger K&K Hoflieferant, am Wiener Graben 13. 1858 wurde das Geschäft von Josef Knize gegründet, Niedersüß übernahm es 1976. Auch wenn man bei Knize keine Baupläne bekommt, kommen ArchitekturkennerInnen auch in diesem Bereich auf ihre Kosten.

Bildquelle: Website KNIZE

Bildquelle: Website KNIZE

 

Die Einrichtung und Ausstattung, wie auch der dezente, edle Eingangsbereich aus schwarzem, schwedischem Granit mit Goldlettern trägt die Idee von Handwerk und durchdachter Gestaltung. Sie entstammt der Feder des Verfechters des Ornamentlosen, Diskreten und stets dem Modernen zugewandten Adolf Loos. Zwischen 1910 bis 1913 verwirklichte er hier seine Idee von einem zeitgemäßen, modernen und funktionalem Geschäft.

Knize – erste Adresse in Sachen Herrenausstattung – ist heute ein Stück lebende Kunst- und Kulturgeschichte inmitten des 21. Jahrhunderts in Wien. Weniger die Fakten führen mich zu dem Schluss, als vielmehr die Atmosphäre und kleinen Details im Geschäft selbst. Es ist der Geruch von feinem Staub und alter Möbelpolitur, die knarrenden Holzböden und schiefen, der Schwerkraft nachgebenden, Türrahmen – hunderte von Geschichten könnten sie uns erzählen! Es sind die Salonsessel aus grünem Samt, die Schlüsselgriffe mit charmanten Gebrauchsspuren, schmucklos gefräste Holztäfelungen – vom vielen Staubwischen glänzend poliert – und nicht zu vergessen, der leicht abgetretene, grasgrüne Teppichboden. Sie alle sind Zeugen zahlreicher wohlhabender KundInnen, die das Vertrauen in die Meisterhände legten, um in wohlgemerkt „ihrer Gesellschaft“ korrekt angezogen zu sein! Niemals auffallen und sich stehts mit feinstem, edelsten Zwirn bedecken, keine Borte und noch weniger Samt und Seide lautet heute wie damals das Kredo. Die Schneiderkunst war Loos so wichtig wie der Raum, den er für sie baute.

Form und Material

Knize vereint beides in Loos’ Sinn – Die Architektur und die gehobene Schneiderei. Denn in ihren Grundhaltungen gleichen sich beide mehr, als man vermuten möchte. Die Arbeit mit Form und Material und die pragmatische Suchen, ein zeitgemäßes und funktionales Ergebnis zu schaffen, formt in beiden Disziplinen einen Körper, eine Hülle, für den Menschen. Loos und Knize kommunizieren und fordern eine Haltung nach einfachen Werten: Sei dir stets bewusst, was du hast und kannst, sei selbstsicher, aber übe dich in unauffälliger und zurückhaltender Manier. „Furcht vor der Öffentlichkeit“ würde Loos dazu sagen!

Knize und Brioni

Die ausgewählte Stammkundenschar bleibt auch heute unter sich. Die Kartei vermehrt sich zum Leidwesen zahlreicher Anfragen leider nicht mehr. Wer nicht zum Kreis der betuchten Kunden für Maßanzüge gehört, findet aber zum Glück eine Auswahl an modernen Modellen im Store. Anzüge aus Italien werden eigens für Knize im Süden gefertigt und als Prêt-à-Porter Mode im Geschäft verkauft. Marken wie Brioni oder Kiton finden Kenner guten Zwirns darunter. Hier wurde bewusst und mit Geschmack gewählt, denn verkauft wird gewiss nicht jede „Stangenware“.

James Bond trägt übrigens auch Brioni-Anzüge und wie wir alle wissen, ist ER der Innbegriff von Stil und Charme. Da kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten: Knize besitzt eindeutig die Lizenz zum Maßnehmen und Loos würde auch heute noch seine Freude daran haben!

Literatur: Adolf Loos, die Herrenmode, Wien 1898.
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#3 Kunst und Erfolg – Strategien entwickeln

Braucht ein Künstler, eine Künstlerin eine Strategie? Oder anders gefragt, warum soll sich ein Künstler, eine Künstlerin eine Strategie* überlegen?

Wollen Sie wirtschaftlichen Erfolg und/oder kunsthistorische Anerkennung erlangen, oder schlicht ein kreatives Hobby ausüben? Möchten Sie in einem kunst- und kulturnahen Feld arbeiten: als GaleristIn, KuratorIn, JournalistIn, etc. oder möchten Sie anderen Menschen helfen, sei es in der Vermittlung oder Therapie. Welche Position als KünstlerIn möchten Sie einnehmen? Allen diesen Zielen geht nur die EINE Entscheidung voraus, nämlich Ihre konkrete Vision, warum oder weshalb Sie das tun, was Sie tun möchten.

Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht, was Sie konkret möchten? Wenn ja, wunderbar, dann können Sie diesen Artikel überspringen 🙂 Wollen Sie hier und jetzt aber mehr zu Strategien in der Kunst erfahren, dann freue ich mich, Ihnen hier das Wesentlichste mitzugeben.

Die drei Key-Facts

Haben Sie für sich eine

1) Vision/Mission definiert, folgt die

2) Definition konkreter Ziele. Dies könnte wirtschaftlicher Erfolg von xy Umsatz/Jahr; xy Ausstellungen in xy Galerien, Museen, Sammlungen; ProfessorIn an einer Universität oder das Leiten einer eigenen Galerie sein. Ziele können miteinander korrespondieren und in der Regel definiert man kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Darauf aufbauend gehen Sie nun über zu den konkreten und

3) erforderlichen Maßnahmen und Strategien, um Ihren Zielen und zugleich Ihrer Vision/Mission einen Schritt näher zu kommen.

Doch wir wissen alle, dass es in der Theorie meistens sehr einfach klingt, die Praxis dann aber anders aussehen kann. Nicht jeder/jede weiß zu Beginn der Ausbildung, was das Leben für einen bereit hält. Äußere Rahmenbedingungen wie Jobs und Einkommen, technische Fertigkeiten, aber auch BefürworterInnen, Familie, die eigene Persönlichkeit uvm. nehmen Einfluss darauf. Umso mehr ist es hilfreich, ein paar nützliche Strategien und Hinweise zu kennen, um erfolgreich seinen persönlichen und künstlerischen Weg zu finden.

Aus der Praxis

Ich traf Alexander Jöchl (Bildender Künstler und Kurator, Vorstandsmitglied der IG BILDENDE KUNST) zum Interview im Cafe PHIL. Er sprach mit mir über die „Blase Kunstakademie“, den aktuellen Kunstmarkt und wesentliche Skills für den Kunstberuf. Aus dem Interview habe ich für Sie folgende Punkte als Strategie-Leitfaden zusammengefasst.

  1. Das richtige Umfeld. Sein Studium in einer Groß-Stadt zu beginnen, hat wesentliche Vorteile. Der richtige Ort bietet viele Kunst-Veranstaltungen, Off-Spaces, Initiativen, Galerien, Museen, auch für zeitgenössische Kunst. Im Vergleich zu den österreichischen Bundesländern, bietet Wien ein breiteres Publikum und internationale Rezensionen in Medien. Auch die Förderungsmöglichkeiten sind in Groß-Städten breiter aufgestellt, als in den Bundesländern, die zunehmend gekürzt werden.
  2. Eigenverantwortung. Die Akademie ist eine „Blase“, die kaum auf die Markt-Realität vorbereitet. Diese Zeit des Experimentierens sollte man nach Möglichkeit auch für technische Fertigkeiten, Skills und Fragen zu Versicherungen, Verträgen, Urheberrecht etc. nutzen, um ebenfalls für kunstnahe Berufe vorbereitet zu sein.
  3. Netzwerke aufbauen. „Die wichtigsten Leute im Studium sind die Leute, mit denen man studiert.“ Jöchl zitiert hier Erwin Wurm. Man baut während seiner Studienzeit persönliche Bindungen auf, die auch das spätere Netzwerk bilden können, auf das man zurückgreifen kann.
  4. Mentoren (Professoren) innerhalb der universitären Ausbildung sind wichtig für den Erfolg. Der Klassenverband hilft und unterstützt bei der Vergabe von Stipendien,  unterstützt bei Wettbewerben und lässt die eigenen Arbeit kritisch reflektieren.
  5. Einzel- oder Kollektivarbeit. Stellen Sie sich die Frage: Wie arbeite ich am liebsten? Überlegen und erproben Sie die Vor- und Nachteile. Jöchl sieht den Vorteil eines kollektiven Zusammenschlusses darin, dass man neben dem künstlerischen Austausch auch täglich anfallenden Organisationsarbeit leichter untereinander aufteilen kann.
  6. Persönlichkeit. Um erfolgreich zu sein, muss man sich, seine Talente und Neigungen kennen. Der Markt verlangt Engagement und Disziplin. Die eigene künstlerische Position sollten so früh als möglich klar definiert werden. Danach richten sich auch weitere (Vermarktungs-) Strategien. Sicheres Auftreten und Persönlichkeit sind aber auch im Umgang mit Institutionen, Auftraggebern oder Medien gefragt. Auf die Frage, muss man authentisch sein, antwortet Alexander Jöchl: „…nicht einmal das. Viele KünstlerInnen legen sich ein Label oder Marke zu, die nicht mehr authentisch zur eigenen Person ist.“ 
  7. Entscheidung. Die ersten 3-5 Jahre nach dem Abschluss sind entscheidend. Wie positioniert man sich, bleibt man im Kunstfeld, etabliert man sich am Markt – selbst oder mit Hilfe einer Galerie, ist das Kunstfeld für einen persönlich überhaupt das Richtige? Falls nicht schon zuvor, klären sich vielen Fragen schließlich in dieser Zeit.
  8. Brot-Job. Die finanzielle Einkommensquelle kann gerade zu Beginn nicht immer die Kunst alleine sein. Welche Balance man für sich findet, setzt wieder voraus, dass man sich und seine persönlichen Stärken kennt. Disziplin ist auch hier von einem selbst gefragt, um beide Bereiche gut miteinander verbinden zu können. Ein zusätzlicher Job kann befruchtend für die eigene künstlerische Arbeit sein, man kann mitunter den nötigen Abstand gewinnen, oder ihn zu einer Berufung werden lassen. Interessante Strategien zu „Dualen Karrieren“ finden Sie auf der Seite der IG BILDENDE KUNST, die zu diesem Thema ein Frühstücksgespräch organisierte.
  9. Kunst als Job. Jeder/jede, der/die sich für diesen Beruf entscheidet, sollte sich bewusst werden, „Kunst ist auch Business“. Es ist ein beinhartes Geschäft, das nach wie vor sehr klassisch über und mit Galerien, Förderern und Mäzenen funktioniert. Hinzu kommt aber noch, dass von KünstlerInnen mehr denn je Professionalität gefordert wird. Gut funktionierende Web-Sites, Social-Media Auftritte, Pressetexte, Kataloge, gute Fotos und Kritiken von KunsthistorikerInnen sind mittlerweile Standard. Kunst als Job bedeutet aber auch, die Produktion von neuen Kunstwerken zu garantieren, Liefertermine einzuhalten und dem Leistungsdruck in Summe standzuhalten.

Die Anforderungen sind so umfangreich, wie der Markt selbst und ich denke, dass dieser großartige Leitfaden das Wesentlichste auf den Punkt bringt. Vielen Dank Alexander Jöchl für das ausführliche Interview und bis bald, wenn es um das Thema Kunst und Vermittlung geht.

* Interessieren SIE SICH NÄHER FÜR DAS THEMA, GIBT ES WEITERFÜHRENDE UND VERTIEFENDE LITERATUR ZU STRATEGIEMODELLEN UND -THEORIEN AUS DER WIRTSCHAFT, ZUM BEISPIEL "DAS HARVARD-KONZEPT", "STRATEGIE NACH PORTER", "STRATEGIE NACH MINTZBERG" U.A., SOWIE KÜNSTLERISCHE STRATEGIE VS. POSITION, ODER KUNST VS. WERBUNG VON SIGLINDE LANG  (2013): MARKTSTRATEGIE: KUNST!
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#2: Kunst und Erfolg – Ursache und Wirkung

Willkommen zum zweiten Kunst und Erfolg-Beitrag! Wie versprochen geht um das Thema „Alles hat einen Sinn“ und Erkenntnisgewinnung. Eine konkrete Ausrichtung hin zu einem Selbst-Verständnis von Kunst als erfolgreicher Beruf ist hierfür der erste Schritt.

Sinn verstehe ich in diesem Zusammenhang als die Abfolge von Ursache und Wirkung. Weiter gedacht, wie kann es sein, dass zwei Menschen, die ident aufgewachsen, die gleiche Schulbildung genossen und vielleicht noch erfolgreich ein Studium hinter sich gebracht haben, nun unterschiedliche Erfolge und Karrieren verzeichnen?

Kunst und Erfolg_Karriere

Ein wesentliches Merkmal erfolgreicher Menschen ist deren zielgerichteter Einsatz ihrer persönlichen Fähigkeiten und Talente.

Was heißt das jetzt für Sie? Fragen Sie sich, ob Sie Ihre wahren Stärken und Talente kennen und wie Sie diese einsetzen? Demnach ist es essentiell, sich mit seiner Persönlichkeit, seinem Stärken- und Schwächenprofil und seinen persönlichen Erfolgsmerkmalen auseinanderzusetzen. Dazu gibt es verschiedenste Wege und Angebote. Es gibt klassische Gesprächstherapien und Coachings, die viele neue Wege und Lösungen ermöglichen. Manche Ursachen sitzen aber viel tiefer und versteckter im eigene System fest. Ich spreche hier von Familienstrukturen und/oder Glaubenssätzen. Hier können auch Familienaufstellungen wichtige Erfolge bringen. Lösen Sie so viel, wie es für Sie am Anfang gut und angenehm ist, um den Grundstein erfolgreicher Wirkungen zu setzen, denn neue Ursachen können Sie jederzeit legen!

Erfolg ist persönlich

Warum spreche ich hier vorwiegend von psychologischen, systemischen und auch spirituellen Ansätzen? Es geht nicht ausschließlich um äußere Rahmenbedingungen (Technische Fähigkeiten, Bildung,…), sondern zu einem großen Anteil um das eigene Verständnis von Erfolg. Viele Bücher über „Erfolg“ machen falsche Hoffnungen und vermitteln den Eindruck, dass sich alleine durch „Wünschen und Glauben“ der erträumte Erfolg einstellt. Dass neben Durchhaltevermögen, harter Arbeit und entsprechender Kompetenz in seinem Fach die Persönlichkeit und unbewusste/unterbewusste Programme Sie wesentlich in Ihrem Handeln und Entscheiden beeinflussen, wird manchmal ausgeklammert oder nur oberflächlich angeschnitten. Denn erfolgreiche KünstlerInnen wurden selten über Nacht zum Star, träumten sich in die eigene Ausstellung oder erdachten sich die bezahlten Honorare. Sie alle haben eines gemeinsam: Diese Menschen steckten viel Energie in ihre persönliche Weiter-Entwicklung, durchlebten Niederlagen, trafen mutige Entscheidungen (im ersten Teil sprach ich über das Prinzip des Sich-in-Bewegung-Setzens), entwickelten Strategien und richteten sich immer voll und ganz auf den persönlichen Erfolg aus.

Aus dem Leben

Sie bekommen eine Nachricht von einem guten Freund mit folgendem Inhalt: „Ich habe einen spannenden Kunst-Auftrag für dich.“ Woran denken Sie bei diesem Satz?

Vielleicht an ein Auftragswerk, an einen Kurs, einen Vortrag, oder ein Gutachten…es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Also was machen Sie, Sie fragen nach! Ihr Freund führt schließlich weiter aus, dass er einen Interessenten kenne, der eine Einführung in Kunst-Techniken suche. Dabei dachte der Bekannte an Sie. Wie fühlen Sie sich, was sagen Sie darauf? Mit Ihrer Antwort setzen Sie nämlich weitere Weichen, die zeigen, wie Sie sich und Ihren Job als KünstlerIn verstehen.

A: Ja das freut mich sehr, ich mache das sehr gerne. Wann soll das stattfinden? Gib mir einfach Bescheid!
B: Was genau sucht er? In folgenden Techniken bin ich sicher. Ich stelle ein Programm zusammen und der Preis richtet sich nach den individuellen Inhalten.

Wählen Sie A, zeigt es, dass Sie sich und Ihren Wert zum einen nicht kennen und Ihre Arbeit schlussendlich auch nicht gut verkaufen. Es erweckt den Eindruck der Liebhaberei – Kunst mache man ohnehin gerne und müsse demnach nicht entgolten werden. Falsch! Sie haben dafür gearbeitet, studiert, experimentiert und Ihre Zeit und Arbeit ist es wert, monetär honoriert zu werden. Bedenken Sie, dass es auch notwendig ist, den Energieaustausch Wissen – Geld aufrechtzuerhalten, indem Sie sich diesen Platz auch selbst eingestehen. Verlassen Sie den Pfad der Unsicherheit und Zweifel, indem Sie sich mit Anmerkungen zufrieden geben, Kunst mache Ihnen ohnehin Freude.

Wählen Sie also B. Zu Beginn wird es sich vielleicht ungewohnt anfühlen, aber mit der Zeit werden Sie sich und Ihren Job als KünstlerIn selbstverständlicher präsentieren. Persönliche Entwicklung führt zu diesem Verständnis und ist eine der Grundlagen, wie ich oben bereits ausführte, die wesentlich zum Erfolg beiträgt!

Vielleicht machten Sie schon solche oder ähnliche Erfahrungen. Entscheident ist wieder, dass Sie sich bereits bewusst gemacht haben, etwas verändern zu wollen. Ich berate Sie auch gerne bei weiteren Strategien, Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung, oder gebe Tipps zu weiterführenden Adressen, wie Sie sich als KünstlerIn besser verstehen und verkaufen können.

Im dritten Teil werde ich über Strategien sprechen. Der KünstlerInnenberuf eröffnet nämlich zahlreiche Möglichkeiten und Chancen. Es gilt hier wie in vielen Dingen, einfach eine Entscheidung für sich zu treffen.

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Übersicht, Beruf und Berufung, Kunst und Markt, Leben und Lifestyle

#1: Kunst und Erfolg – Eine Einstellung

Warum diese Serie?

Der Beginn dieser Serie beschäftigt mich schon seit längerer Zeit, da ich zum einen selbst viele der besprochenen Stationen wie Selbstzweifel, persönliche Rückschläge, Absagen und Orientierungslosigkeit erlebt habe, zum anderen aber auch auf Kollegen, Freunde und fremde Personen treffe, die mit ähnlichen Themen, wie mangelnde Wertgefühle oder Mutlosigkeit hadern. Wenige sprechen darüber oder trauen sich nicht, offen auch ihre Schwächen zuzugeben. Hinzu kommen prekäre Verhältnisse am Arbeitsmarkt, die Zukunftsängste schüren. Alles in allem finde ich den Start dieser Kunst und Erfolg – Serie enorm wichtig, um neue Impulse und vor allem neue Strategien mitzugeben. All‘ jenen, die sich bewusst für eine positive, energievolle und tatkräftige Karriere im spannenden und aufregenden Kunstfeld wünschen, oder bereits darin tätig sind, hoffe ich anregende Inputs geben zu können!

kunst und erfolge - you win you lose

Bewegt man sich einige Jahre in der glamourösen Kunst-Branche und blickt dabei hinter die Kulissen, weiß man schnell, dass nicht alles angenehm ist und manchmal auch der obligatorische Schein trügt. Viele Jahre KünstlerInnendasein vergehen und die gebührende Anerkennung bleibt aus. Medien berichten nicht über die mit Herzblut organisierte Ausstellung, Galeristen bleiben trotz handfester Verkaufsargumente auf vielen ihrer Objekte sitzen und Museen müssen Personal kürzen, weil Gelder ausbleiben. Diese und noch viele Geschichten stammen aus dem Alltag. Und hier sei angemerkt, dass der Kunstmarkt ein Wirtschaftsmarkt ist, wie jeder andere auch! In vielen anderen Branchen herrschen Unzufriedenheit, Personalmangel und Konkurrenzverhalten. Sich alleine immer den „Schwarzen Peter“ anzuheften, schafft zunehmend schlechte Stimmung und hemmt das Vorwärtskommen! Äußere Gegebenheiten kann man mitunter nur schwer verändern, aber was man sehr wohl steuern kann, ist seine eigene Einstellung zu Kunst und Erfolg!

Natürlich geht es am Ende des Tages um’s Verkaufen – um Kunstwerke und seine (Arbeits-)Kraft! Demnach sind wir alle auch Verkäufer. Und wer hier sofort Rot sieht und sagt, ich bin niemals ein Verkäufer und verkaufen kann ich schon gar nicht, dem möchte ich folgendes Beispiel nennen:

Sie sind auf eine Hochzeit eingeladen und kennen außer dem Brautpaar niemanden. Nach einer ersten Vorstellungsrunde, bei der meistens nach dem Wohnort, dem Beruf und die gemeinsame Verbindung zu den Gästen abgeklärt wird, kommen nach der üblichen Zeremonie, Empfang und Essen einige Ansprachen und viele, viele Hochzeitsspiele. Das Brautpaar muss bei einem dieser Spiele aus einem Topf Kärtchen ziehen. Darauf stehen die Namen aller anwesenden Gäste. Je gezogenem Namen beschreibt das Paar mit besonderen Eigenschaften diese Person so konkret wie möglich, damit sie sich selbst wieder erkennt. Sie sind plötzlich überrascht, mit welcher Überzeugung die Worte „liebenswert“, „Künstler“, „genial“, „innovativ, „wunderbar“ und „besonders“ fallen? Hätten Sie sich erkannt? Und vor allem, glauben Sie das auch von sich? Denn so sehen Sie die anderen!

Die Geschichte zeigt uns, wie Fremd- und Eigenwahrnehmung funktionieren. Reden wir uns ein, dass viele Dinge nicht möglich sind, oder es nicht wert sind; Wir besser bezahlt werden müssten, oder ständig überarbeitet sind, aber es nicht verdient hätten, Urlaub zu machen; Uns die Angst vor Zurückweisung immer schüchterner werden lässt; Wir den Erfolg in Dingen suchen, die uns eigentlich nicht glücklich machen, dann stimmen Außenwelt und Innenwelt nicht überein. Gleichzeitig werden uns auch die anderen nach unseren Überzeugungen behandeln und es entsteht somit eine Negativ-Spirale.

Was kann man also tun, um aus der dunklen Ecke an die leuchtenden Balustrade zu treten? Handeln Sie! Es ist wichtig den ersten Schritt zu setzen. Indem Sie diesen Artikel lesen, haben Sie sich bereits in Bewegung gesetzt und sich bewusst dazu entschlossen, ein Thema zu bearbeiten, dass mitunter am noch nicht eintretenden Erfolg nagt.

Bedenken Sie, Kunst und Erfolg stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern bedienen sich gegenseitig! (Er-)folg der Kunst könnte man hier auch sagen.

Haben Sie sich schon einmal konkret gefragt, wie Sie Ihren Erfolg definieren, egal ob als KuratorIn, JournalistIn, KünstlerIn oder AusstellungstechnikerIn? Wo wünschen Sie sich Verbesserungen?

Mögliche Ausgangslagen könnten sein: Sie geben zu oft bei der Bezahlung nach, wenn es um Vertragsabschlüsse geht? Sie haben nach einem Verkauf das Gefühl, zu wenig verlangt zu haben ? Überstunden werden Ihnen nicht bezahlt? Sie fühlen sich falsch am Platz? Ständige Termin-Sorgen belasten Ihren Arbeitsalltag … Es gibt viele verschiedene Aspekte, an denen persönlicher Erfolg und auch Misserfolg gemessen werden kann. Entscheidend ist, wie Sie ihn für sich definieren und wohin Sie schlussendlich möchten, um Glück, Freude und auch monetäre Zufriedenheit zu bekommen.

Dafür gibt es verschiedenste Möglichkeiten und Strategien. Im zweiten Teil werden wir uns mit der Kern-Thematik „Alles hat einen Sinn“ beschäftigen. Eigene Erkenntnisse führen uns auf neue, unbekannte Wege. Entscheidend dabei ist, offen und auch gewillt zu sein, diese neuen Pfade zu gehen.

Ich freue mich auf eine spannende Erfolgsserie!

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