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#3 Kunst und Erfolg – Strategien entwickeln

Braucht ein Künstler, eine Künstlerin eine Strategie? Oder anders gefragt, warum soll sich ein Künstler, eine Künstlerin eine Strategie* überlegen?

Wollen Sie wirtschaftlichen Erfolg und/oder kunsthistorische Anerkennung erlangen, oder schlicht ein kreatives Hobby ausüben? Möchten Sie in einem kunst- und kulturnahen Feld arbeiten: als GaleristIn, KuratorIn, JournalistIn, etc. oder möchten Sie anderen Menschen helfen, sei es in der Vermittlung oder Therapie. Welche Position als KünstlerIn möchten Sie einnehmen? Allen diesen Zielen geht nur die EINE Entscheidung voraus, nämlich Ihre konkrete Vision, warum oder weshalb Sie das tun, was Sie tun möchten.

Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht, was Sie konkret möchten? Wenn ja, wunderbar, dann können Sie diesen Artikel überspringen 🙂 Wollen Sie hier und jetzt aber mehr zu Strategien in der Kunst erfahren, dann freue ich mich, Ihnen hier das Wesentlichste mitzugeben.

Die drei Key-Facts

Haben Sie für sich eine

1) Vision/Mission definiert, folgt die

2) Definition konkreter Ziele. Dies könnte wirtschaftlicher Erfolg von xy Umsatz/Jahr; xy Ausstellungen in xy Galerien, Museen, Sammlungen; ProfessorIn an einer Universität oder das Leiten einer eigenen Galerie sein. Ziele können miteinander korrespondieren und in der Regel definiert man kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Darauf aufbauend gehen Sie nun über zu den konkreten und

3) erforderlichen Maßnahmen und Strategien, um Ihren Zielen und zugleich Ihrer Vision/Mission einen Schritt näher zu kommen.

Doch wir wissen alle, dass es in der Theorie meistens sehr einfach klingt, die Praxis dann aber anders aussehen kann. Nicht jeder/jede weiß zu Beginn der Ausbildung, was das Leben für einen bereit hält. Äußere Rahmenbedingungen wie Jobs und Einkommen, technische Fertigkeiten, aber auch BefürworterInnen, Familie, die eigene Persönlichkeit uvm. nehmen Einfluss darauf. Umso mehr ist es hilfreich, ein paar nützliche Strategien und Hinweise zu kennen, um erfolgreich seinen persönlichen und künstlerischen Weg zu finden.

Aus der Praxis

Ich traf Alexander Jöchl (Bildender Künstler und Kurator, Vorstandsmitglied der IG BILDENDE KUNST) zum Interview im Cafe PHIL. Er sprach mit mir über die „Blase Kunstakademie“, den aktuellen Kunstmarkt und wesentliche Skills für den Kunstberuf. Aus dem Interview habe ich für Sie folgende Punkte als Strategie-Leitfaden zusammengefasst.

  1. Das richtige Umfeld. Sein Studium in einer Groß-Stadt zu beginnen, hat wesentliche Vorteile. Der richtige Ort bietet viele Kunst-Veranstaltungen, Off-Spaces, Initiativen, Galerien, Museen, auch für zeitgenössische Kunst. Im Vergleich zu den österreichischen Bundesländern, bietet Wien ein breiteres Publikum und internationale Rezensionen in Medien. Auch die Förderungsmöglichkeiten sind in Groß-Städten breiter aufgestellt, als in den Bundesländern, die zunehmend gekürzt werden.
  2. Eigenverantwortung. Die Akademie ist eine „Blase“, die kaum auf die Markt-Realität vorbereitet. Diese Zeit des Experimentierens sollte man nach Möglichkeit auch für technische Fertigkeiten, Skills und Fragen zu Versicherungen, Verträgen, Urheberrecht etc. nutzen, um ebenfalls für kunstnahe Berufe vorbereitet zu sein.
  3. Netzwerke aufbauen. „Die wichtigsten Leute im Studium sind die Leute, mit denen man studiert.“ Jöchl zitiert hier Erwin Wurm. Man baut während seiner Studienzeit persönliche Bindungen auf, die auch das spätere Netzwerk bilden können, auf das man zurückgreifen kann.
  4. Mentoren (Professoren) innerhalb der universitären Ausbildung sind wichtig für den Erfolg. Der Klassenverband hilft und unterstützt bei der Vergabe von Stipendien,  unterstützt bei Wettbewerben und lässt die eigenen Arbeit kritisch reflektieren.
  5. Einzel- oder Kollektivarbeit. Stellen Sie sich die Frage: Wie arbeite ich am liebsten? Überlegen und erproben Sie die Vor- und Nachteile. Jöchl sieht den Vorteil eines kollektiven Zusammenschlusses darin, dass man neben dem künstlerischen Austausch auch täglich anfallenden Organisationsarbeit leichter untereinander aufteilen kann.
  6. Persönlichkeit. Um erfolgreich zu sein, muss man sich, seine Talente und Neigungen kennen. Der Markt verlangt Engagement und Disziplin. Die eigene künstlerische Position sollten so früh als möglich klar definiert werden. Danach richten sich auch weitere (Vermarktungs-) Strategien. Sicheres Auftreten und Persönlichkeit sind aber auch im Umgang mit Institutionen, Auftraggebern oder Medien gefragt. Auf die Frage, muss man authentisch sein, antwortet Alexander Jöchl: „…nicht einmal das. Viele KünstlerInnen legen sich ein Label oder Marke zu, die nicht mehr authentisch zur eigenen Person ist.“ 
  7. Entscheidung. Die ersten 3-5 Jahre nach dem Abschluss sind entscheidend. Wie positioniert man sich, bleibt man im Kunstfeld, etabliert man sich am Markt – selbst oder mit Hilfe einer Galerie, ist das Kunstfeld für einen persönlich überhaupt das Richtige? Falls nicht schon zuvor, klären sich vielen Fragen schließlich in dieser Zeit.
  8. Brot-Job. Die finanzielle Einkommensquelle kann gerade zu Beginn nicht immer die Kunst alleine sein. Welche Balance man für sich findet, setzt wieder voraus, dass man sich und seine persönlichen Stärken kennt. Disziplin ist auch hier von einem selbst gefragt, um beide Bereiche gut miteinander verbinden zu können. Ein zusätzlicher Job kann befruchtend für die eigene künstlerische Arbeit sein, man kann mitunter den nötigen Abstand gewinnen, oder ihn zu einer Berufung werden lassen. Interessante Strategien zu „Dualen Karrieren“ finden Sie auf der Seite der IG BILDENDE KUNST, die zu diesem Thema ein Frühstücksgespräch organisierte.
  9. Kunst als Job. Jeder/jede, der/die sich für diesen Beruf entscheidet, sollte sich bewusst werden, „Kunst ist auch Business“. Es ist ein beinhartes Geschäft, das nach wie vor sehr klassisch über und mit Galerien, Förderern und Mäzenen funktioniert. Hinzu kommt aber noch, dass von KünstlerInnen mehr denn je Professionalität gefordert wird. Gut funktionierende Web-Sites, Social-Media Auftritte, Pressetexte, Kataloge, gute Fotos und Kritiken von KunsthistorikerInnen sind mittlerweile Standard. Kunst als Job bedeutet aber auch, die Produktion von neuen Kunstwerken zu garantieren, Liefertermine einzuhalten und dem Leistungsdruck in Summe standzuhalten.

Die Anforderungen sind so umfangreich, wie der Markt selbst und ich denke, dass dieser großartige Leitfaden das Wesentlichste auf den Punkt bringt. Vielen Dank Alexander Jöchl für das ausführliche Interview und bis bald, wenn es um das Thema Kunst und Vermittlung geht.

* Interessieren SIE SICH NÄHER FÜR DAS THEMA, GIBT ES WEITERFÜHRENDE UND VERTIEFENDE LITERATUR ZU STRATEGIEMODELLEN UND -THEORIEN AUS DER WIRTSCHAFT, ZUM BEISPIEL "DAS HARVARD-KONZEPT", "STRATEGIE NACH PORTER", "STRATEGIE NACH MINTZBERG" U.A., SOWIE KÜNSTLERISCHE STRATEGIE VS. POSITION, ODER KUNST VS. WERBUNG VON SIGLINDE LANG  (2013): MARKTSTRATEGIE: KUNST!
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