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Tiefer Fall für die schnelle Lieferung 

Ein Kommentar

 

Das Thema „fast fashion“ ist eine andere Story wert. Und doch erinnert es irgendwie an die Zahlen, die in den letzten Tagen vom Berliner Online-Modehändler Zalando bekannt wurden. Die Verlust-Kurve purzelte, und zwar mehr als „fast“. Im dritten Quartal 2018 machte der bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen 38,9 Millionen Euro aus. Damit haben sich die Einbußen gegenüber zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Die Aktionäre rutschten bereits im Sommer unruhig auf ihren Sesseln, jetzt vermutlich noch mehr.

Den Konsumenten dürfte dies allerdings (noch) egal sein. Hauptsache die Ware kommt rasch nach Hause. Dass in Italien mittlerweile Versandkosten eingeführt wurden, stört die restliche Stammkundschaft vermutlich wenig. Denn das Zalando-Versprechen: „Versand und Retoure kostenlos“ sollte bleiben. Schließlich hat sich die Käuferschar daran gewöhnt, ohne Klick-und-Kreditkarten-Ängste dem sonnabendlichen Shopping-Ritual zu frönen. Dann wird schnell – also „fast“ – ein Kleidungsstück geordert; weil, wer möchte schon überfüllte Läden und Wühltische aufsuchen? Nein, da kauft man lieber gemütlich von der Couch aus sein überlebensnotwendiges, neues Trendteil. Es kostet ja nichts, außer den Verkaufspreis selbstverständlich. Und auch die sind gegenüber den herkömmlichen Ladenpreisen meist günstiger. Schlussverkauf und Aktionen machen es möglich!

Was aber macht man, wenn der Mausklick doch zu schnell erfolgte? In solch einem Fall kann man das gelieferte Paket ebenso hurtig wieder ins nächste Postfach stecken und retournieren. Zalando nahm es bisher „dankbar“ wieder entgegen. Hat sich da eventuell etwas verändert? Neben dem schlecht in den Griff zu bekommenden Retourenmanagement sei die immer kostenintensivere Logistik-Infrastruktur eine der größten Geld-Vertilger, heißt es aus der Zalando-Zentrale.

Die Tiefflieger-Zahlen, das steht Schwarz auf Weiß – besser gesagt in roten Zahlen – auf Papier, dürften dies wohl bestätigen. Möge man nur hoffen, dass „fast fashion“ und „fast delivery“ nicht auch unsere Umwelt schneller als gedacht in den Sturzflug befördern. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

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Sebastian Fitzek: „Die Ausnahme ist die Regel“

Mit einem Bestseller kommt auch die Kritik – in Form von Rezensionen, Buchbesprechungen, Amazon-Bewertungen, Blogger-Kommentaren. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 plauderte Erfolgsautor Sebastian Fitzek in einem Kurzvortrag über den Umgang mit derselben, seinen Weg vom Jungautor zum Verlagsvertrag und wie auch die Ausnahme erfolgreich werden kann.

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Foto: Gene Glover

Sebastian Fitzek veröffentlichte 2006 sein erstes Buch „Die Therapie“. Mit einer Auflage von 4000 Stück, aufgeteilt auf damals 5500 Buchhandlungen in Deutschland, war die Chance „auf einen Bestseller quasi unmöglich – zumindest rein rechnerisch gesehen“. Warum? Fitzek dazu weiter: „Um bekannt zu werden, braucht man ein fettes Marketingbudget und eine hohe Auflage, aber nur wenn man bekannt ist, bekommt man beides vom Verlag.“ Da beißt sich die Katze wohl in den Schwanz. Wie hat er es doch geschafft? „Etwas unüblich, aber der Verlag schloss zusammen mit dem ersten Vertrag gleich einen weiteren für ein zweites Buch ab.“ Ins Rollen brachte dies alles sein Literaturagent Roman Hocke – einst Lektor von Michael Ende. Er empfahl den Psychothriller-schreibenden-Journalisten 2002 bei Droemer Knaur. Heute steht er bei Buchveröffentlichung Nummer Achtzehn, schrieb unter einem Pseudonym für Bastei Lübbe, gestaltete ein Kinderbuch und kann aktuell mit je drei Verfilmungen und Dramatisierungen seine Biografie ergänzen.

Schnell erzählt erscheint der Weg einfach. Doch die nüchterne Wahrheit lautet: „Meine erste Fassung schickte ich an fünfzehn Verlage, dreizehn lehnten ab, zwei haben sich bis heute nicht gemeldet“, fasst Fitzek mit Humor zusammen, verweist gleichzeitig aber auch auf die Rolle des Lektors: „Keiner wurde abgestraft, dass er Harry Potter ablehnte, aber umgekehrt, wenn bei einem Newcomer die Großauflage von 200.000 Stück gedruckt werden soll, Vorschuss inklusive, und diese dann floppt, ja – dieser Name wird in der Verlagsbranche weitergereicht“, merkt der Autor an.

Jungautoren müssen also mit Absagen rechnen. Vielmehr sind sie die Regel, auf die auch Größen wie Joanne K. Rowling und Steven King zurückblicken können. „Da muss man durch, einen langen Atem besitzen“, motiviert der gebürtige Berliner weiter. „Ganz klar, man schreibt, um gelesen zu werden. Und dieses Ziel teilt man sich mit vielen anderen“, so Fitzek. Mit ein Grund, dass Verlage regelrecht überrannt werden mit Manuskripten. Berge von Papier türmen sich und Tag für Tag häufen sich weitere auf den Schreibtischen an.

Und welche Geschichten schaffen es schlussendlich in die Regale?

„Als Jungautor hat man mit Gegenwind zu kämpfen, wenn man nicht in eine gängige Genre-Schublade fällt.“ Trends am Buchmarkt – sie zu brechen ist also Knochenarbeit. „Mir wurde damals gesagt, es gäbe keinen Markt für Psychothriller. Dafür waren historische Romane gefragt, allerdings nur, wenn sie von einer Frau verfasst wurden. Als Sabrina Fitzek wäre ich allerdings weder gut noch glücklich geworden“, fasst der Autor lachend zusammen.

Die Versuchung ist gewiss groß, sich an Lesermeinungen zu orientieren, auf den Markt zu schielen oder Titeltrends zu verfolgen. Doch Schreiben sollte immer Ausdruck der Persönlichkeit sein, abseits von Bewertungsportalen und Instagram-Likes, in denen heute jeder zu einer PR-Oberfläche wird. Die Dichtheit an Nachrichtenmeldungen und Inszenierungen veranlassen uns zu glauben, dass die Ausnahme bereits die Regel ist. Das betrifft auch Buchkritiken. Fitzek dazu: „Ich brauchte lange, bis ich begriff, welche Kommentare förderlich und welche ich besser ignorieren sollte. Daher stelle ich mir immer die Frage: Ist die Kritik wohlwollend oder nicht? Ist es jemand, der mich kritisiert, weil er will, dass ich besser werde oder geht es um polarisierende Rezensionen.“

Und gibt es so etwas wie ein Geheimnis für einen anhaltenden Schreiberfolg?

„Da ich bei meinem zweiten Buch nicht wusste für wen ich schreibe, ich kannte ja meine Leserschaft noch nicht, unterscheidet es sich völlig vom ersten. Aber viel wichtiger ist, dass ich ausschließlich meiner Idee treu blieb, auch niemandem gefallen wollte und authentisch blieb. Das handhabe ich heute noch so“, verrät Fitzek sein Geheimnis. Und es klappt, wie wir sehen.

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