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Kunst, künstlich und künsteln

„Zeigen Sie sich!“
„Was meinen Sie?“
„Ja sich, zeigen Sie sich!“
„Das verstehe ich nicht.“
„Ihre Persönlichkeit, bleiben Sie authentisch.“
„Aha. Das habe ich noch nie probiert.“

Täglich betreten wir die Welt – Sie und ich – und betrachten sie durch unsere Brille. Wir haben gelernt, wir haben erfahren und wir ziehen daraus Schlüsse. Mitunter heißt das, dass wir uns tagaus, tagein vorwärts bewegen, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Wir arbeiten in einem Job, der von uns ein freundliches, zuvorkommendes, höfliches, seriöses Auftreten verlangt. Treffen uns mit Freunden, denen wir aufmerksam zuhören – und dabei geht es meistens um die großen und kleinen Beziehungsprobleme, Familiensorgen oder Missstimmungen. Ein- bis zweimal im Jahr fahren wir auf Urlaub, buchen aber nicht das Hotel unserer Wünsche, sondern richten uns nach den Vorschlägen der Reisegruppe.

Irgendwie wirkt alles künstlich, riecht nach Plastik und Oberflächlichkeiten. Äußerlich scheint alles wudervoll perfekt zu sein, doch im Innersten fühlen wir uns schlecht. Warum? Weil das meiste zum Schein passiert. Social Media sei Dank!

„Agieren ist besser als reagieren.“

Wir träumen von einer erfüllenden Freizeit, Erfolg und mehr Glück, lassen uns aber rein aus Bequemlichkeit von Gewohnheiten und den Erwartungen anderer leiten.

„Es ist doch gut wie es ist.“ Ein viel zitierter Rat-Schlag, aber wohin bringt er Sie? Genau – dorthin, wo Sie jetzt sind! „Ein Hobby hilft.“ Gut gemeint, aber welches passt?

Aus einer ersten Unzufriedenheit heraus wächst der Wunsch etwas zu verändern, und das Angebot ist enorm. Daher kommen wir an diesem Punkt angekommen, um grundlegende Fragen nicht umher: Wer bin ich? Was brauche ich? Was will ich wirklich?

Ohne dieses Fundament würden Sie nicht vom Fleck kommen. Daher ein Tipp aus Coaching-Kreisen: Gehen Sie aus eigenem Wunsch und Antrieb vorwärts. Lernen Sie sich kennen, just bevor Sie von äußeren Umständen ohnehin gezwungen werden.

Neue Wege

Die Kunst besteht also darin aus dem Hamsterrad auszubrechen, um überhaupt erst neue Wege beschreiten zu können. Und da wir uns am nächsten stehen, hilft die eigene Intuition bei wichtigen Entscheidungen. Das liegt daran, dass wir im Innersten genau fühlen, was stimmig ist.

Das erfreulich, es braucht keine teure Anschaffung und keine neue Umschulung, Sie haben bereits alles. Schritt 1: Nehmen Sie Regungen und Gefühle bei ganz einfachen und alltäglichen Dinge wahr: Wie fühlt sich gesundes Essen an? Was macht ein Spaziergang in der Natur oder ein Ausflug an den See mit Ihnen? Wie fühlen Sie sich nach einem Telefonat mit einer Freundin/einem Freund?

Im nächsten Schritt kann es helfen, aktiv Online-Archive, Facebook-Listen und Ablagen zu durchforsten, um alles zu löschen, was unnötig ist. Warum? Wir sammeln viel an, nutzen aber mehr als die Hälfte nicht. Gesagt, getan – und plötzlich fühlen wir uns freier.

Mit der neu gewonnenen Erleichterung geht es gleich weiter an den Kleiderschrank und die Schubladen. Ausmisten hat im übertragenen Sinn immer etwas mit Loslassen zu tun, also eine „Bereinigung von Altlasten“.

„Wir denken immer, wir benötigen viel. Am Ende bleibt ein Bruchteil davon übrig.“

Es ist eine große Kunst und benötigt Mut, selbstreflektiert und authentisch zu handeln. In einer konsum- und egogetriebenen Welt stößt das nicht nur einmal auf Un- und Missverständnisse.

In machen Bereichen werden Sie rasch Erfolge erzielen, anderswo wird es länger dauern – alles ist möglich. Alleine aber die Ausrichtung, dass Sie endlich Ihre und keine fremden Wege beschreiten, macht Sie selbstbewusster, stärker und sicherer und bringt vor allem mehr Klarheit. Die wiederum zieht neue Möglichkeiten an (Resonanz). Klingt spannend. Auf jeden Fall merken Sie, wie Sie achtsamer und Ihre Antennen feiner werden, um „künstlich“ und „gekünstelt“ zu durchblicken.

Meine Erfahrung ist, nicht alles verändert sich sofort. Es braucht seine Zeit, Kraft, Ausdauer UND es darf und sollte vor allem auch Spaß machen, demnach…be happy, mit einer „lachenden Wurschtigkeit“* geht es einfacher. 🙂

*Martin Knapp. Radionics.

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daniel richter künstler
Galerien und Museen, Kunst und Markt

3 Gründe für Daniel Richter

Die große Frage zuerst: Wer ist dieser Daniel Richter? Punk, Maler-Rebell, vernichtender Analyst, Weltenbeobacher oder simpler Lebens-Künstler, der sich als Maler versteht?

Daniel Richter ist nicht zu verwechseln mit Gerhard Richter, sie sind nicht miteinander verwandt, haben maximal dieselbe Staatsbürgerschaft Deutschland. Jedoch polarisieren beide auf eine ganz eigene Art und Weise.

Beide Richter beschäftigten sich mit dem Abstrakten im Bild. Autobiografische Züge verarbeiten die Zeitgenossen beide, die Themen allerdings sind grundverschieden. Der Grund: sie trennen 30 Jahre. Die Gemeinsamkeit: Beide schlagen mit ihren Inhalten eine harte, ironische Sozialkritik an. Sie ist ungetrübt Bestandteil beider Künstlerpersönlichkeiten, ebenso die Arbeitsweise. Sie arbeiten kontrolliert. Fast museologisch-archivierend sammelte Gerhard Richter für seinen Atlas; und man möchte es nicht vermuten, Daniel Richter führt seinen Pinsel punktgenau und wohlüberlegt über die Leinwand.

Daniel Richter

Beim jüngeren Richter vibrieren die großflächigen Tafelbilder. Abstrakte Landschaften, apokalyptische Welten und anonyme Figurengruppen verschlingen den Betrachter. Der Maler zeigt einen ganz eigenen Gestus, den er selbst als „Historienmalerei im neuen Stil“ beschreibt. Konkrete Schauplätze findet der Betrachter jedoch vergeblich. Die collagierten, fiktiven Orte dröhnen aus der Leinwand heraus. Der Künstler erweitert seinen malerischen Raum und erzielt dabei ein schauriges Gefühl. Seine figurativen Bilder versuchen eine ganz bestimmte Stimmung des Zeitgeschehens einzufangen. Daniel Richter verstand sich im weitesten Sinn immer als politisch motiviert. Er arbeitete besonders in der Vergangenheit mit Allegorien, Narrationen und politischen Statements. Und er entwickelte sich weiter!

Drei Merkmale

Daniel Richter funktioniert als Künstler, als Störer und als Beobachter. Wie sieht er die Malerei selbst, einem Medium, dem er wie er selbst sagt „nie entwachsen ist“? Sie ist für ihn „unaufklärerisch, vielleicht traditionell auch das revolutionärste oder grundsätzlichste Medium. Konkret: „Was mir am meisten bedeutete, aus nichts etwas zu machen“, gibt er im Interview mit der Standard preis.

1. Der Künstler

Daniel Richter ist Maler mit Selbstbeschränkung: sich nur auf die Malerei zu konzentrieren ist eine Herausforderung, wie er im Interview für das RONDO betont.

2. Der Störer

Knallharte Kritik, laute Manieren und unliebsame Aussagen. Nicht jeder versteht Richter, nicht jeder liebt Richter, doch was kann Richter? Seine Meinung äußern! Ungeschönte Wahrheiten kollaborieren in den Bildern mit ganz eigenen Sichtweisen auf die Welt.

3. Der Beobachter

Daniel Richter im Interview mit Stephan Hilpold:  „Die Welt macht mir Riesenspaß. Was da gerade los ist, ein Haufen an beknackter Scheißdreckhaftigkeit, dass man vor Begeisterung in die Hände klatschen muss!“ Wer, wenn nicht der Künstler Daniel Richter, bringt es auf den Punkt!

Seine Retrospektive „Lonely Old Slogans“ läuft bis 5. Juni im Wiener 21er-Haus.

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Mode und Malerei – Der MM-Effekt!

Mode beeinflusst Kunst“ ist Sven Drühls Ansatz für eine Text-Diskussion, die er im Kunstforum international mit „Verstrickungen“ betitelt. Beide Disziplinen – Kunst und Mode – beherrschen ein feines Spiel aus Abkehr und Zuwendung zum jeweils anderen Feld. Drühl findet die „Offenlegung der Struktur“¹ oder „Vorgehensweisen als ästhetisches Mittel“² sowohl in der Modeproduktion als auch im Kunstsystem vor. Es sind die austauschbaren Verbindungen, die hier zum Tragen kommen, was wieder zur Umkehr führt, oder wie Drühl sagt, „Kunst beeinflusst Mode.“³

Mode und Kunst näherte sich immer wieder an, versuchte gemeinsame Wege zu gehen oder suchte Inspiration beim anderen. Im 20. Jahrhundert waren es Klimt und die Wiener Werkstätte, die mit Modeentwürfen, Stoffmustern und Verbindungen zum Modesalon der Schwestern Flöge für Aufsehen sorgten. In Paris brachte die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli den Surrealismus und Dadaismus in die Fashionszene. Sie pflegte Kontakt zu Künstlern wie Man Ray und Duchamp. Picasso und Dali zählten zu ihren Freunden. Mit Letzterem kollaborierte sie immer wieder. Aus dieser kreativen Verbindung entstanden unter anderem das bekannte Lobsterkleid oder der Schuh-Hut.

Damals wie heute ziehen sich beide Bereiche magisch an – und das ist gut so. Menschen sind dazu befähigt, geistige und materielle Formen zu erschaffen. Wir bezeichnen sie als Modeschöpfer, Architekten, Bildhauer, Maler, Literaten oder Schauspieler – Sie alle kreieren Bilderwelten und Räume, die vor allem auch durch Verschränkungen immer wieder Quellen gegenseitiger Inspiration werden.

Formschaffen

Der bildende Künstler Mario Dalpra und Modeschöpfer Juergen Christian Hoerl beschreiten in diesem Zusammenspiel ihren ganz eigenen Weg. Zeit ist ein wesentlicher Faktor in der Kreation von Skulpturen und Kleidung. Diesmal aber ging es beiden um das Momenthafte und die unmittelbare Aktion. Eine Live-Performance ist dafür die ideale Bühne, denn der Weg bleibt spontan, das Ziel ist klar: Eine gemeinsame „Formschaffung“.

Foto: Malena Brenek

Foto: Malena Brenek

Die Medien

Der Akt des Schaffensprozesses setzt sich bei diesem Duell aus mehreren Elementen zusammen: Eine weiße Leinwand, weiße Kleidung, Menschen als Skulpturen und persönliche Zugänge werden zu Medien und Transmittern sinnlicher Formen. Die materielle Verkörperung spiegelt sich schließlich in der eigenen künstlerischen Handschrift wieder. Das Ergebnis kann vom Zuschauer nur erahnt werden. Gemälde, Kleidung, Gesamtkunstwerk? Das Prinzip des Zufalls spielt hier jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Motive und Farben werden anfangs gezielt gesetzt, lösen sich aber im Zuge der Aktion immer mehr auf und folgen schließlich dem tranceartigem Zustand aus Gefühlen und Können.

Foto: Malena Brenek

Foto: Malena Brenek

Mode und Malerei

Juergen Christian Hoerls Zugang als Modeschöpfers ist deutlich erkennbar. Sein geschultes Auge erfasst die Körperformen, umzeichnet Schnittmuster und setzt Abnäher. In diesem Prozess dienen ihm Farbe und Pinsel als Marker und ersetzen Nadel und Faden. Mario Dalpras Hände folgen seinem gelernten Künstlergeist, indem sie Farben, amorphe Formen, Figuren und Muster auf die „lebenden Leinwände“ bringen. Kleidung als Medium, Menschen als Skulpturen und ein spontaner Schöpfungsprozess verbinden sich bei dieser Live-Performance zu einer stimmigen Einheit: Mode und Malerei ergänzen sich. Aktion folgt Reaktion, Gefühle ergeben Farben und individuelle Herangehensweisen erzeugen schlussendlich ein energiegeladenes Cross-over.

Die Verbindung Mode und Malerei hat einmal mehr gezeigt, wie sich gestalterische Kräfte im Zusammenspiel von sinnlicher Erfahrung, materieller und farblicher Ästhetik und einem beiderseitigen Verständnis von Perfektion aufeinander einstimmen können.

Wir hoffen alle auf eine Fortsetzung!

1-3 Drühl, Sven, Verstrickungen, in: Kunstforum international, Bd. 141, Juli-September 1998, 173.
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